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Müsli mit Superfood
Diverses

Superfood – so super wie sein Image?

Seit geraumer Zeit sind Superfood-Sorten der absolute Trend. Alle reißen sich um Chiasamen, Gojibeeren, Hanfsamen, Chlorella-Algen, Baobab, Acai-Beeren uvm., da sie wahre Powerlieferanten für den menschlichen Organismus sein sollen, die jede Menge Antioxidantien liefern. Sind jene Sorten aber wirklich besser als alles bisher Dagewesene?

Gojis aus Österreich?

Superfood sind Lebensmittel, die eine geballte Ladung an Nährstoffen vereinen. Die berühmten kleinen roten Beeren – Goji-Beeren – z.B. enthalten 19 Aminosäuren, wovon zehn essentiell sind. D.h., dass sie dem menschlichen Körper durch die Nahrung zugeführt werden müssen. Sie unterstützen die Leber bei ihrer ständigen Entgiftungsarbeit und enthalten zahlreiche Antioxidantien und auch Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium und Kalzium. Gerne werden sie für die Zubereitung von Müslis oder Smoothies eingesetzt. Der etwas bittere Abgang der hübschen Frucht ist dabei nicht jedermanns Sache. Aber woher kommt die Gojibeere eigentlich, die wir hierzulande in Supermärkten auf getrocknete Art erhalten? 99% der Beeren stammen aus China, 2013 wurden 9.500 Tonnen exportiert.

Besonders überrascht war ich vor einiger Zeit, als ich die Beere in ungetrockneter Form in einem Wiener Raritätengeschäft entdeckt habe, die ausschließlich regionale und saisonale Ware anbietet. Gojibeeren aus Österreich? Fast! Es handelt sich dabei um den Bocksdorn, der sich nur unwesentlich von der Gojibeere unterscheidet, aber hierzulande wächst.

Aus aller Herren Länder

Chiasamen sind mittlerweile ja fast überall zu entdecken – im Gebäck, in Shakes, in Salaten, in Müslis, Puddings usw. In Mittelamerika setzt man schon seit Jahrhunderten auf deren energiegeladene Wirkung, da sie viele Ballaststoffe und wertvolle Omega-3-Fettsäuren enthalten. Tatsächliche Studien, die deren gesunde Wirkung bestätigen, gibt es allerdings nicht.

Auch die Chlorella-Alge begegnet uns immer öfter. Die zu den Mikroalgen gehörende Pflanze enthält Unmengen an Chlorophyll, die wir für den Aufbau an Blutzellen benötigen (wichtig für die Wundheilung). Den Baobab kennen wir aus Afrika, wo er unabdingbarer Teil der Volksmedizin ist. Früchte, Blätter und Samen helfen bei der Heilung von Infektionskrankheiten. Er soll ferner lange satt machen und setzt Endorphine frei. Hanf setzt sich in den letzten Jahren immer mehr durch. Die Samen sind Quellen von gesunden Fetten und Eiweißen. Auch sie haben viele Ballaststoffe und machen lange satt. Eingesetzt werden sie nicht nur im Gebäck, sondern auch bei Keksen oder Riegeln. Auf die Liste der Superfood-Sorten gehören auch die Acai-Beeren aus Südamerika. Vitamine, Mineralstoffe sowie essentielle Fettsäuren kommen hier zusammen. Sie bündeln Antioxidantien und verhindern Heißhunger.

Auf die Qualität achten

Hört sich alles fürwahr großartig an. Die guten Inhaltsstoffe kann man den Superfoods definitiv nicht absprechen. Die Frage ist vielmehr, ob das Superfood nun die altbewährte Powernahrung, die wir bis dato konsumiert haben, ersetzen soll. Es empfiehlt sich dabei stets, auf die Herkunft zu achten.

Am Beispiel Chiasamen wird klar, dass wir ein ähnliches Powerfood vor der Haustüre haben, das eine Zeitlang jedoch in Vergessenheit geraten ist. Die Rede ist von den Leinsamen. Sie enthalten viel Magnesium, ungesättigte Fettsäuren und helfen bei Entzündungen. Obwohl sie kein Fixbestandteil des täglichen Frischkornbreis sind, streue ich mir gerne welche darüber. Auch bei Salaten kommen sie für mich als Topping gerne zum Einsatz. Leinsamen werden in unseren Breiten zuhauf angebaut. Für mich ist dadurch eindeutig klar, wofür ich mich entscheide. Nicht, dass Leinsamen gesünder sind als Chiasamen, doch sie haben einen kurzen Transportweg und sind auch in Bio-Qualität erhältlich. Bio-Qualität sollte nämlich auch bei der Wahl von Superfood stets ein Entscheidungskriterium sein.

Schwermetalle und Pestizide

Global 2000, Südwind und die AK Niederösterreich haben 2017 Superfood auf Pestizide und Schwermetalle untersucht. Es wurden bis zu 13 Pestizide bei Goji-Beeren und Überschreitungen der Pestizid-Höchstwerte bei Chia- und Leinsamen entdeckt. Goji-Beeren kommen fast alle aus China, Chiasamen meist aus Lateinamerika. Der CO2-Fußabdruck ist also enorm. Teilweise ist das Herkunftsland der Produkte gar nicht angeführt. In so einem Fall sollte man sich lieber gegen einen Kauf entscheiden.

Sich mal eine Ausnahme zu gönnen, ist nicht weiter schlimm. Generell aber haben wir Möglichkeiten genug, auf heimisches Superfood zurückzugreifen, das vor unserer Nase wächst. Leinsamen statt Chiasamen, Bocksdorn statt Goji-Beeren oder Heidelbeeren statt Cranberrys. Das Gute liegt oft viel näher als man denkt!

Für weitere Informationen empfiehlt sich folgender Bericht: https://www.global2000.at/publikationen/superfoods

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